Sicherungskonzepte Teil I
Im Zuge der Erforschung digitaler Kunstformen wurde im September 2006 ein Teilprojekt zur kunsttechnologischen Betrachtung und Analyse von Netzkunst lanciert. In ihm werden Fragestellungen entwickelt, die für die Erhaltung dieser Kunstform relevant sind. Das Vorgehen und einzelne Ansätze lassen sich zum Teil auch generell auf computerbasierte Kunstwerke und Installationen übertragen. Vorschläge zur Erhaltung und zur Planung möglicher Restaurierungsmassnahmen werden auf der Grundlage von Case Studies entwickelt.
Eine zentrale Aufgabe des Teilprojektes zur Netzkunst besteht darin, Formen der Beschreibung zu entwickeln, die eine präzise Erfassung und Strukturierung dieser Werke ermöglichen. Netzkunst entbehrt nicht selten eine geschlossene Form; sie entzieht sich als Objekt. Daher kommt zur Erfassung der einzelnen Werkkomponenten die Dokumentation des Funktionszusammenhanges (Wirkraum) hinzu.
Das Teilprojekt zur Netzkunst, das Tabea Lurk leitet und koordiniert, stellt eine Art Grundlagenforschung dar, bei der die künstlerischen Konzepte der Werke in ihrem historischen, ästhetischen und technologischen Kontext betrachtet werden. Daher findet bei der Überprüfung der technischen Settings und in Machbarkeitsstudien eine enge Verzahnung mit den technisch ausgerichteten Teilprojekten von AktiveArchive, dem „Historischen Gerätepool“ (speziell im Bereich Computer, digitale Peripherie- und Wiedergabegeräte) und dem „Plattformübergreifenden Netzwerk / Emulation“ statt. Gleichzeitig werden kunsthistorische Fragestellungen verfolgt.
Um die inhaltlichen Implikationen der Kunstwerke mit den technischen Anforderungen dynamisch abgleichen zu können, wird derzeit eine Art Analyse- bzw. Konservierungs-matrix entwickelt, auf der die technischen wie auch ästhetischen Parameter gleichberech-tigt eingetragen werden. Anschliessend findet ein Inhalt-Form-Abgleich statt, der es er-laubt, die Relevanz der Teilkomponenten im Werkzusammenhang zu bestimmen. So lassen sich die Bestandteile, Aufgaben und Anforderungen klassifizieren und gegebenenfalls an ein gewandeltes Umfeld anpassen.
In einer Reader-ähnlichen Abhandlung wird das segmentierte Forschungsfeld konkreti-siert. Das Konvolut wird neben der Dokumentation der experimentellen Aufbauten und technischen Anleitungen auch Vorschläge beinhalten, die direkt in den Museums- und Ausstellungsalltag übernommen werden können. Im Kontakt mit internationalen Projek-ten, die in den skizzierten Themenfeldern tätig sind, wird die eigene Forschung reflektiert und überprüft.
Bis Ende 2006 konnte das Forschungsfeld eingegrenzt und der Forschungsgegenstand konkretisiert werden. Ein Konzept zum Projektverlauf und dem weiteren Vorgehen wurde erstellt. Ferner wurde eine Reihe an praktischen Experimenten und Studien durchgeführt, die einzelne Teilbereiche des Projektes abdecken und Prognosen ermöglichen.
So konnte beispielsweise am Teilprojekt zur Sicherung des Netzkunstkonglomerats „SHRINK-TO-FIT“, das Johannes Gfeller 2005 begonnen hat, angeknüpft werden. In Kürze wird die kunsttechnologische Erfassung der meisten Werke abgeschlossen sein. Die Do-kumentation der Einzelwerke wird durch allgemeine Anmerkungen zur wirklichkeitsge-treuen Wiedergabe von Netzkunst ergänzt. Da die meisten Werke von „SHRINK-TO-FIT“ der stand-alone-Kategorie von Netzkunst zugeordnet werden können, wurden die Daten als Testfall für diverse, dokumentierte Aufbauten im Bereich Virtualisierung, Portabilität und Studiopräsentation eingesetzt.
Dabei sind diskursive Grenzen und Konstellationen aufgetreten, die vor dem Hintergrund der anvisierten Kooperation mit dem Basler KTI-Forschungsprojekt Owning online Art (OoA) ausgesprochen wertvoll sind. OoA beginnt im Frühjahr 2007.
Gleichzeitig wurde eine Zusammenarbeit mit dem IT Zentrum der HGK Zürich etabliert. Das ITZ steht bei informatischen Fragestellungen beratend zur Seite. In diesem Zusammenhang hat Jürgen Enge vom ITZ ein Instrumentarium entwickelt, das bei der Verwen-dung antiquierter Software in Computernetzen zentrale Schutz- und Sicherheitsfunktionen übernimmt: den Netart Router.
© Tabea Lurk, AktiveArchive
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