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(1) Vgl. hierzu die Texte von Dieter Daniels, der sich seit längerem mit der Frage der adäquaten Vermittlung von Medienkunst beschäftigt, er ist Mit-Initiant der Projekte „Medienkunstnetz“ und „40jahrevideokunst.de“.
Bibliografie von Daniels vgl. http://www.hgb-leipzig.de/daniels/assets/pdf/daniels_bibliographie.pdf
(2) Dieter Daniels, „Das Vermittlungsparadox der Medienkunst“, in: Gerhard Johann Lischka, Peter Weibel (Hrsg.), „Die Medien der Kunst. Die Kunst der Medien“, Bern 2004, S. 101.
(3) Auf diese Referenzbeispiele komme ich weiter hinten noch zu sprechen, es handelt sich u. a. um die Begleitpublikationen des Projekts Medienkunstnetz (Rudolf Frieling, Dieter Daniels (Hrsg.), „Medien Kunst Netz“, Band 1 und 2, Wien / New York 2004–2005; http://www.medienkunstnetz.de), um die Publikationen Rudolf Frieling, Wulf Herzogenrath (Hrsg.), „40jahrevideokunst.de“, Ostfildern 2006 [Buch und DVD-ROM], Rudolf Frieling, Dieter Daniels (Hrsg.), „Medien Kunst Interaktion“, Wien / New York 2000 [Buch und CD-ROM], dies. (Hrsg.), „Medien Kunst Aktion“, Wien / New York 1997 [Buch und CD-ROM] oder Slavko Kacunko, „Closed Circuit Videoinstallationen“, Berlin 2004 [Buch und DVD-ROM].
(4) Vgl. Anm. 2, S. 98.
(5) Einzelwerke: Einkanalarbeiten, Präsentation auf Monitor / TV oder als Projektion; installative Arbeiten: Videoprojektion und / oder Monitor/TV-Präsentationen in verschiedenen räumlichen, installativen Zusammenhängen.
Hauptnavigation DVD „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Hauptnavigation mit Auswahl von 90.01. Navigiert wird mit dem Pfeil, es wechselt immer der angebundene Textblock.
(6) Sechs Videoarbeiten sind nicht mehr erhalten. In allen Fällen handelt es sich um Werke, die direkt am Ausstellungsort entstanden sind; nach der Ausstellung wurde das Videoband nicht an die KünstlerInnen retourniert, das Originalband ging ebenfalls verloren.
Hauptnavigation „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Hauptnavigation mit Auswahl von 01.07. Es handelt sich um eine selbständige Videoarbeit, die Videoarbeit startet ohne weitere Zwischennavigation direkt. Ausserdem ist hier die verbindliche Präsentationsform angegeben.
Hauptnavigation „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Hauptnavigation mit Auswahl von 03.10. Es handelt sich um eine gross angelegte Installation, die drei Videoarbeiten einschliesst.
Zwischennavigation „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Zwischennavigationen von 03.10. Jedes Video ist einzeln mit dem Pfeil anwählbar.
Zwischennavigation „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Zwischennavigationen von 03.10. Jedes Video ist einzeln mit dem Pfeil anwählbar.
(7) Selbstverständlich respektiert die DVD das „originale“ Seitenverhältnis der Präsentation (4:3), im Falle einer Betrachtung auf einem Bildschirm mit Seitenverhältnis 16:9 passen sich weder Navigation noch Videoausschnitte an.
Videostill „RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“
Still von 00.05, „airport“. Die Werknummer ist immer an derselben Stelle in weissen Ziffern über das Videobild gesetzt.
(8) Vgl. hierzu Rudolf Frieling, Dieter Daniels, „Medienkunst muss multimedial vermittelt werden. Einführung“, in: dies. (Hrsg.), „Medien Kunst Netz 1: Medienkunst im Überblick“, Wien / New York 2004, S. 11.
(9) Rudolf Frieling, Dieter Daniels (Hrsg.), „Medien Kunst Aktion“, Wien / New York 1997 [Buch und CD-ROM], dies. (Hrsg.), „Medien Kunst Interaktion“, Wien / New York 2000 [Buch und CD-ROM].
(10) So war es der Autorin 2004 nicht mehr möglich, die CD-ROM von 1997 zu konsultieren. Da das gesamte Buch ohne Abbildungen konzipiert ist – dafür war die CD-ROM vorgesehen –, gestaltet sich die Nachvollziehbarkeit von einigen Thesen ohne visuelle Anhaltspunkte etwas schwierig. Zumindest werden in den letzten Jahren die Systemvorrausetzungen der DVD-ROM’s in den Büchern kommuniziert, wodurch die EigentümerInnen älterer Modelle von sich aus die Finger von bestimmten Bucherweiterungen lassen.
(11) Als ein Beispiel für diese „mediale Ignoranz“ kann die rund 5 cm dicke und 1000 Seiten umfassende Publikation „Closed Circuit Videoinstallationen“ von Slavko Kacunko (Berlin 2004) angesehen werden. Der Buchrücken verspricht eine DVD-ROM mit 13.000 Abbildungen, das Buch selbst ist vollkommen „bildlos“. Die Gründe für eine solche publizistische Entscheidung wurden schon genannt, sie sind auch im Kontext von wissenschaftlichen Veröffentlichungen durchaus verständlich; die Möglichkeiten einer solchen medialen Erweiterung sollten sich jedoch auf konzeptioneller Ebene nicht unbedingt in einem Container von stummen, unbewegten Abbildungen erschöpfen. Was jedoch nicht verständlich ist, ist die unsorgfältige Programmierung der DVD-ROM, die nur bei Windows-Betriebssystemen funktioniert und für eine Konsultation auf Mac keine ausführbare Anwendungsdatei enthält. Was den Mac-UserInnen allerdings möglich ist – und darum werden sie vielleicht stark beneidet werden –, ist der direkte Zugriff auf die Bildfiles, die zwar in schlechten Auflösung, aber ungeschützt auf der DVD in einem Bildbearbeitungsprogramm geöffnet und zur zukünftigen eigenen Verwendung gespeichert werden können. Das ist wohl nicht intendiert und stellt wohl keine neuartige Spielform des Copylefting dar, sondern ist einerseits ein schlichter Programmierfehler, der aber andererseits vor dem Hintergrund der mühevollen Bildbeschaffung in diesem Bereich eine starke Verführungskraft entwickelt.
(12) Vgl. hierzu Frieling / Daniels wie Anm. 8 und Rudolf Frieling, Dieter Daniels, „Medien Kunst Netz 2. Einführung“, in: dies. (Hrsg.), „Medien Kunst Netz 2: Thematische Schwerpunkte“, Wien / New York 2005, S. 15
(13) Tauchen Server-Probleme auf und es ist kein Zugriff möglich (wie seit dem 22. Januar 2007), so ist man wieder auf die „Begleitpublikationen“ angewiesen, die zwar auf der textuellen Ebene einen Ersatz anbieten, nicht jedoch im Bereich der viel gepriesenen „scientific visualization“, denn auch die beiden „Bücher zum Netz“ sind reine Textbände. Vgl. zu den Zitaten Frieling / Daniels wie Anm. 8, S. 10.
14) Vgl. hierzu u. a. die DVD-ROM der Publikation Rudolf Frieling, Wulf Herzogenrath (Hrsg.), „40jahrevideo-kunst.de“, Ostfildern 2006 [Buch und DVD-ROM], die allerdings von einer Studien-Edition aller Videoarbeiten auf DVD begleitet wird, welche die Arbeiten in ihrer vollen Länge vorstellt. Die audiovisuellen Beispiele auf der Website http://www.medienkunstnetz.de sind ebenfalls in Ausschnitten präsentiert, was wohl mit dem Wunsch nach einer guten Performance der Site und einer damit einhergehenden schlanken Programmierung ohne allzu schwere Files einhergeht. Weder im Impressum der Site noch in der zweibändigen Begleitpublikation finden sich Hinweise zu den Auswahlkriterien der Ausschnitte.
(15) Auf der DVD-ROM zur Publikation „40jahrevideokunst.de“ (vgl. Anm. 14) läuft bei jedem Video-Ausschnitt eine Art Time Code mit, der jedoch in jedem Fall auf 00:00:00:00 startet und auch lediglich die sichtbar ablaufenden Minuten im Verhältnis zum gesamten Ausschnitt angibt. Bei den QuickTime-Movies auf http://www.medienkunstnetz.de werden ebenfalls keine Hinweise auf die Position des Ausschnitts im Verhältnis zum Werkkontinuum gegeben.
(16) Die erste Möglichkeit wurde im Fall der hier besprochenen DVD nur in wenigen Ausnahmefällen gewählt, und zwar dann, wenn eine einzige zusammenhängende Sequenz eine einseitige Lesart des Videos befördern würde. Konkret betrifft das die Videos, die in sich eine Kapitelunterteilung oder Teilung in mehrere, in Bildsprache und Inhalt stark divergierenden Abschnitte aufweisen; bei den zahlreichen Interview-Arbeiten von RELAX wurden teilweise einzelne Interviews, die im „Original“ nicht aufeinander folgen, direkt hintereinander geschnitten. Abgesehen von diesen rund sechs bis sieben Videos, wurde bei allen anderen Arbeiten eine Sequenz am Stück ausgewählt.
Videostill aus Rudolf Frieling, Wulf Herzogenrath (Hrsg.), „40jahrevideokunst.de“, Ostfildern 2006
Still aus 40jahrevideokunst.de, DVD-ROM
© Klaus von Bruch & Rudolf Frieling, Wulf Herzogenrath (Hrsg.), „40jahrevideokunst.de“, Ostfildern 2006

„RELAX (chiarenza & hauser & co) – we save what you give“, hrsg. von Irene Müller, Ilka und Andreas Ruby, Emanuel Tschumi, Susann Wintsch, ein Projekt von edition fink im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, Zürich / Nürnberg 2006
DVD zur gleichnamigen Monografie


Ausgangslage und Fragestellung
Künstlermonografien nehmen in der Tradition künstlerischer und kunstwissenschaftlicher Publikationen neben den Ausstellungskatalogen einen wichtigen Stellenwert ein. In den letzten Jahren wurde das Medium Buch immer wieder einer kritischen Begutachtung unterzogen, da die Vielfalt der künstlerischen Medien, deren Anwendung und Kombination proportional zu dem Bedürfnis an Vermittlung und „erinnernder“, dokumentierender sowie reflektierender Produktion zunimmt. Gerade die Kunstproduktion, die zeitbasierte, auditive und visuelle Medien sowie interaktive Settings umfasst, stellt die ForscherInnen, AutorInnen und nicht zuletzt die KünstlerInnen selbst vor die Herausforderung, den bewegten Bildern, räumlichen Ensembles und auditiven Elementen die angemessene Repräsentation im Publikationskontext angedeihen zu lassen (1).
absatz 
Audiovisuelle Arbeiten können durch die zweidimensionale, grafisch gestaltete und fotografisch vermittelte „Abbildung“ in einem Buch immer nur unbefriedigend wiedergegeben werden. Neben dem Fehlen der Bewegung ist es auch die „Stummheit“ des Buches, welche die Videosequenzen in einem wesentlichen Teil ihrer medialen Eigenschaften beschneidet. Die Konvention, Videoarbeiten mittels einer Reihe von Stills zu repräsentieren, bietet Anhaltspunkte zum Verständnis einer Videoarbeit, doch auch diese Form der Vermittlung unterliegt mehreren, die Nachvollziehbarkeit der Arbeit beeinträchtigenden Faktoren: so unter anderem die Herkunft der Stills (Woher bekommt AutorInnen diese Abbildungen? Können AutorInnen beim Visionieren die Stills selbst aufnehmen? Wie sieht dann die rechtliche Situation aus?) oder die „Qualität“ und Aussagekraft der ausgewählten Einzelbilder aus dem zeitlichen Kontinuum des Videos (Wer hat den Still ausgewählt? Wie subjektiv und vice versa repräsentativ ist diese Auswahl?). Die Stimmen der AutorInnen, ihre Beobachtungen und Beschreibungen erhalten dadurch einen äusserst wichtigen Stellenwert, sind aber auf Grund ihrer (immer vorhandenen, in diesen Medien jedoch gleichsam kaum relativierbaren) Subjektivität eine Art Filter zwischen dem Werk, seiner zweidimen-sionalen Reproduktion und den LeserInnen. Diese müssen der in Sprache übersetzten Wahrnehmung einer anderen Person vertrauen, anhand von Worten und Foto-grafien (deren Subjektivität sich gerade bei Installationsaufnahmen ebenfalls zwischen Werk und RezipientIn schiebt) eine künstlerische Arbeit imaginieren, die sie selbst vielleicht noch gar nie gesehen haben.
absatz 
Während für räumliche Ausdrucksformen bereits Konventionen der reproduzierenden und abstrahierenden Darstellung existieren und man diese Darstellungen – wie auch in der Malerei, Skulptur oder Grafik – zu lesen gelernt hat, fehlen im Bereich der audiovisuellen Medien solche Modelle und deren Überprüfung noch weitgehend. Ziel der vorliegenden Kombination von Buch und DVD war es daher unter anderem auch, die Möglichkeiten der Ergänzung von mediengerechter Reproduktion und wissenschaftlicher Textarbeit zu erproben. Daher wurde auch die „Dominanz des Leitmediums Buch“ (2) nicht grundlegend in Frage gestellt, sondern – wie auch in zahlreichen anderen Publikationsprojekten der letzten Jahre – eine Erweiterung durch andere Mediengefässe ins Auge gefasst. Gerade die Kenntnis und Analyse von Projekten wie medienkunstnetz.de oder 40jahrevideokunst.de, aber auch Überprüfung von zahlreichen „Hybrid-Publikationen“ (3) und die konkrete Arbeit an Buch und DVD selbst haben dazu beigetragen, die Grenzen der immer wieder geforderten „mulitmedialen Vermitttlung“ vor allem von zeitbasierter Kunst (4) zu reflektieren und (selbst-)kritisch zu hinterfragen.
absatz 
Konzeption von Buch und DVD
Die Ausgangslage für dieses Projekt lag im zeitlichen Zusammentreffen eines Publikationsprojektes, das die KünstlerInnen RELAX (chiarenza & hauser & co) im Laufe des Jahres 2004 initiierten, mit den oben umrissenen kunstwissenschaftlichen Fragestellungen innerhalb von AktiveArchive. Die künstlerische Arbeit von RELAX reicht zurück in die 1980er Jahre, die KünstlerInnen arbeiten mit zahlreichen Medien, ihren Werken wohnt in der Regel ein starker situationsspezifischer Bezug inne. Das Medium Video wird sowohl in Einzelwerken als auch in installativen Arbeiten eingesetzt (5).
absatz 
Durch die enge Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen konnten die Verbindungen zwischen Buch und DVD auf unterschiedlichen Ebenen angelegt werden. Es wurde ein Konzept erarbeitet, das einerseits innerhalb des gedruckten Buches den verschiedenen „Vermittlungsformen“ der Arbeiten Rechnung trägt (Band 1: Texte inkl. Werkverzeichnis und –kommentare; Band 2: Abbildungen, d.h. Installationsaufnahmen, „klassische Reproduktionen“, Videostills); andererseits gewährleistet es die nachvollziehbare, mediengerechte „Reproduktion“ der zeitbasierten Arbeiten in einem ebensolchen Rezeptionsgefäss. So wurde unter anderem in beiden Medien dieselbe Typografie verwendet und im Buch wurde das System der Werknummern einerseits als Verweis (auf Abbildungen und DVD), andererseits als grundlegende Struktur der Werkliste und –kommentare sowie der Abbildungen eingesetzt. Für die DVD wurde ebendieses Werknummern-System als Basis für die Navigation verwendet. Hinter dieser Grundkonzeption stand das Bedürfnis, Videoarbeiten in einer anderen Form als lediglich durch Stills im Buch, als einem der Publikation beigefügten Sampler einzelner Arbeiten oder durch die Herausgabe einer Edition der Videoarbeiten zu begegnen. Dadurch entstand die Struktur einer zweibändigen Publikation mit einer DVD als Prothese, als audiovisueller Erweiterung, die an das Buch ursächlich angebunden ist.
absatz 
Die DVD umfasst 64 Videos, die Entstehungszeit der Werke reicht von 1988 bis 2005. Damit wurden alle erhaltenen Videoarbeiten von RELAX berücksichtigt (6). Für die Aufbereitung der Videos wurde auf das Originalmaterial der KünstlerInnen zurückgegriffen, d. h. für die Arbeiten der 80er und 90er Jahre auf die digitalisierten Archivmaster, für die jüngeren Arbeiten auf die digitalen Archivbänder (Mini-DV). Die Videos wurden nicht restauriert, es erfolgte auch keine inhaltliche Nachbearbeitung. Die Videoarbeiten sind teils in voller Länge, teils in ausgewählten Ausschnitten repräsentiert. Diese Entscheidung musste auf Grund der Datenkapazität des Mediums DVD getroffen werden, als weitere Faktoren kamen auch die Verbreitung bestimmter DVD-Formate und der Wunsch nach einer breit abgestützten Benutzbarkeit hinzu. Das gewählte Format DVD-9 besitzt eine Datenkapazität von 8,5 GB, was rund 2 Stunden Video in guter Qualität entspricht. Gegen eine DVD-10 mit zwei Mal 4,7 GB sprach das notwendige, benutzerunfreundliche Umdrehen der DVD im Player (es werden zwei Seiten beschrieben). DVD-14 (rund 13 GB) und DVD-18 (rund 17 GB) kamen auf Grund ihres seltenen, in der Massenproduktion unüblichen und von Consumer-Geräten kaum unterstützten Formats nicht in Frage.
absatz 
Die Dauer der Videoarbeiten reicht von 30 Sekunden bis zu einer halben Stunde. Die Auswahl der auf der DVD gezeigten Videoausschnitte beruht auf inhaltlichen Kriterien, so wurden möglichst signifikante Sequenzen gewählt, welche die Aussage der (gesamten) Arbeit am besten repräsentieren. Die Ausschnitte wurden innerhalb des Videos nicht weiters kenntlich gemacht (z. B. Schwarzbild zwischen den Ausschnitten, Angabe des Time Codes), es wurde jedoch nach zusammenhängenden Sequenzen gesucht, die den Anforderungen an eine „Repräsentation des ganzen Werkes“ am besten entsprachen. Auf den Umstand, ob das Video in ganzer Länge oder in einem Ausschnitt gezeigt wird, wird in dem jede Arbeit begleitenden Textblock hingewiesen (Angabe der Gesamtdauer in Minuten und Sekunden respektive Angabe des Ausschnitts / Gesamtdauer). Bei installativen Arbeiten wurde bis auf wenige Fälle auf eine Simulation der Präsentation verzichtet. Diese Ausnahmen wurden zu Gunsten der Nachvollziehbarkeit der Verbindung von auditiven und visuellen Ebenen der Videos beziehungsweise der gleichzeitigen Wahrnehmbarkeit von mehreren, nebeneinander gezeigten Videobändern getroffen. Bei einigen Arbeiten wurde hierfür eine parallele Platzierung von zwei Videos, bei anderen eine Montage als Split-Screen (erfolgte im Verlauf der Aufbereitung der Videos) gewählt.
absatz 
Die DVD startet mit einer kurzen Intro-Sequenz, für die RELAX eines der Videos (01.07, „revolution“, 2001) weiterbearbeitet haben. Zugleich übernimmt dieses Intro auch die Funktion eines Impressums. Die Videos sind auf der DVD über eine gestaffelte Navigation erschlossen. Auf der Hauptseite, die gleichzeitig die erste Navigationsebene bildet, sind alle Videoarbeiten in Form der Werknummern aufgelistet. Diese sind „sprechend“, sie kombinieren das Entstehungsjahr der Arbeit mit einer innerhalb des Jahres fortlaufenden, zweistelligen Zahl. Jede dieser Nummern ist mit einer Legende verbunden, die neben Titel und Entstehungsjahr der Arbeit auch die Anzahl der Videos sowie Hinweise auf Kontext, Charakter (selbstständiges Werk oder in installativem Zusammenhang) und Präsentationsform liefert. Im Falle von selbständigen Videoarbeiten ist dieser Textblock mit Angaben zu Dauer (oder Ausschnitt / Gesamtdauer), Format und Präsentationsform ergänzt; die Videosequenz startet dann ohne weiteren Zwischenschritt. Videos, die Teil von Installationen sind, erreicht man über eine zweite Navigationsebene. Stills mit angebundener Legende (Titel und Entstehungsjahr des Videos, Länge, Format, Hinweis auf Präsentationsform) geben einen Überblick über die in der entsprechenden Arbeit vorhandenen Videos, die wiederum (von den oben bereits erwähnten Ausnahmen abgesehen) einzeln anwählbar sind. Jedes Video (abgesehen von den erwähnten montierten Ausnahmen) wird Bildschirm füllend (7) präsentiert und ist mit der Werknummer ver-sehen. Diese ist als eine Art „Störfaktor“ respektive Verweis direkt in die Videobilder eingesetzt und unterstreicht so – zusammen mit der (bewusst in Kauf genommenen, technisch bedingten) veränderten Bildqualität – den Charakter als audiovisuelle Reproduktion. Diese Strategien machen deutlich, dass mit dieser DVD keine Edition der Videoarbeiten von RELAX vorliegt, dass auf der DVD nicht jeweils das einzelne Werk zu sehen ist, sondern eine Form der Reproduktion, eine Art audiovisuellen Stellvertreter.
absatz 
Zusätzliche Erschliessungsmöglichkeiten der Videoarbeiten (z. B. Titelindex) wurden bewusst nicht eingerichtet. Einerseits steht hierfür das Buch mit dem Werkverzeichnis zur Verfügung, andererseits ermöglichen die Hauptnavigation mit den Werknummern und die daran angebundenen, wechselnden Legenden beim Durchklicken oder Zappen einen „Titelüberblick“. Es wurde ebenfalls auf eine Suchoption verzichtet (über eine Programmierung als DVD-ROM), da dadurch die Rezeption deutlich eingeschränkt worden wäre. Eine DVD-Video, wie im vorliegenden Fall, ist sowohl auf einem DVD Player als auch auf einem entsprechend ausgestatteten Computer „konsumierbar“, während eine DVD-ROM auf Grund ihrer Programmierung als Lesegerät den Computer voraussetzt. Die Vorteile der direkten Suche und von Verknüpfungen, wie sie von Datenbanken oder über Hypertextstrukturen bekannt sind, erschienen im Hinblick auf die in der Publikation konzeptionell verankerten mehrteiligen medialen Vermittlung – beschreibender, interpretierender Text, Werkverzeichnis, Abbildungen, Videosequenzen – als zu wenig relevant. Da es sich bei dieser Publikation ausserdem um eine überschaubare Monografie handelt, ist die Auffindbarkeit der einzelnen Werke über das chronologisch geordnete Werkverzeichnis im Buch gewährleistet und somit diese Art der „manuellen Suche“ auch zumutbar.
absatz 
Referenzbeispiele und Desiderate in der Vermittlung audiovisueller Arbeiten
Im Zuge der Recherchen für dieses Teilprojekt von AktiveArchive wurden neben zahlreichen monografischen Publikationen auch Übersichtsdarstellungen und andere Projekte als Referenzbeispiele herangezogen. Zusammenfassend lässt sich beobachten, dass monografische Publikationen in der Regel DVD’s mit einzelnen Videoarbeiten als „mediale Erweiterungen“ aufweisen. In den seltensten Fällen begegnet man Kompilationen mehrerer Arbeiten, diese Form der Vermittlung von audiovisuellen Arbeiten erfolgt meistens direkt durch die KünstlerInnen, jedoch ohne publizistische Anbindung. Bei thematischen Publikationen hat sich in den letzten zehn Jahren die Tendenz zu Hybridprodukten immer stärker durchgesetzt. Gerade in Anbetracht des bestehenden Desiderats von umfassenden Darstellungen der Medienkunstgeschichte, die nicht nur auf Texte und Abbildungen beschränkt sind, erscheint dieser Weg äusserst sinnvoll. Denn es sind weniger die aussagekräftigen Essays, wissenschaftlichen Untersuchungen oder kritischen Reflexionen, die reich bebilderten Kataloge oder fundierten Reader, die in diesem Zusammenhang von der Fachöffentlichkeit vermisst werden, als die Möglichkeit der gleichzeitigen mediengerechten Rezeption von Untersuchungsgegenstand und Analyse. So wird immer wieder die unmittelbare Verfügbarkeit von Beispielen der Medienkunst ausserhalb von Ausstellungskontexten oder Mediatheken bemängelt und damit einher geht natürlich auch die Frage, wie audiovisuelle Kunstwerke – um bei einem „Gattungsfeld“ zu bleiben – im Kontext von wissenschaftlicher Textarbeit vermittelt und repräsentiert werden können. Grundsätzlich wird das gedruckte Buch als Gefäss anspruchsvoller Textbeiträge nicht (mehr) in Frage gestellt, (8) zugleich wird die Repräsentation von audiovisuellen Arbeiten, aber auch die Vermittlung komplexer, vernetzter Inhalte an andere Medien delegiert: Die Bandbreite reicht hier von der CD-ROM (Ende der neunziger Jahre) über DVD’s, die entweder als DVD-Video ihre Inhalte mit entsprechender Navigation oder als DVD-ROM mit ausgefeilten Indices und Verweissystemen vermitteln, bis hin zum Internet.
absatz 
Die als Referenzbeispiele herangezogenen Publikationen umfassen dieses Spektrum. Die beiden ersten grossen Überblicksdarstellungen zur Medienkunst, die von Rudolf Frieling und Dieter Daniels 1997 respektive 2000 herausgegeben wurden, (9) sind beide mit einer CD-ROM ausgestattet, worauf das in den Texten beschriebene Spektrum der Medienkunst beispielhaft vermittelt wird. Durch den raschen Technologiewandel und die ebenso rasch veralteten Betriebssysteme und Programmformate sind CD-ROM’s nach einigen Jahren bereits nicht mehr lesbar, eine Problematik, die auch bei DVD-ROM’s auftauchen kann (10). Interessanterweise lässt sich im Zusammenhang mit diesen Hybridpublikationen ein Randphänomen beobachten, das im Bereich der Konzeption und Gestaltung von Büchern nicht unerhebliche Auswirkungen hat: Wie eingangs erwähnt, stellen sinnvolle und mediengerechte Abbildungen von Medienkunst die AutorInnen häufig vor grosse Schwierigkeiten. Neben der medieninhärenten Problematik der Stummheit und Statik von fotografischen Abbildungen machen Druck- und Lithografiekosten einen nicht unerheblichen Teil der Produktionsbudgets von Büchern aus. Dass hier zu Gunsten einer adäquateren medialen Repräsentation gerne ein anderes Medium gewählt wird, liegt auf der Hand. Zugleich setzt diese Auslagerung des gesamten Abbildungsmaterials aber voraus, dass die Zugänglichkeit dieser visuellen Hinweise über einen längeren Zeitraum (doch vielleicht solange die wissenschaftliche Aktualität der Texte noch gegeben ist) gewährleistet ist. Ausserdem stellen die LeserInnen – und um diese Zielgruppe handelt es sich – auch bei Publikationen mit zusätzlichen Medienträgern berechtigte Ansprüche an Ästhetik und Gestaltung, Funktionalität und einfache Handhabbarkeit. Dass diese Forderungen nicht immer leicht einzulösen sind, dass der Spagat zwischen einer „kostengünstigen“ Produktion eines Abbildungsteils und der technisch (oder informatisch) befriedigenden Konzeption einer DVD häufig zu Ungunsten der Benutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit ausfallen, muss leider ebenfalls konstatiert werden (11).
absatz 
Das 2004 begonnene Projekt „Medienkunstnetz“ begegnet der skizzierten Problematik mit der Konzeption einer Kopplung der Medien Internet und Buch, bezeichnet aber gerade den „bebilderten“ Teil, die Website, als „Selbst-Lernangebot im Netz“, ist also auf eine ganz spezifische Leserschaft ausgerichtet (12). Dass die Gegebenheiten des Internet wie Hypertextstrukturen, multimediale Präsentation sowie einfache, regelmässige Erweiterung und Aktualisierung gerade in diesem Kontext eine äusserst sinnvolle Basis darstellen, liegt ebenso auf der Hand wie die medial inhärente Zugriffsproblematik (13).
absatz 
Neben der Beobachtung und Diskussion der Formate und technisch-informatischen Bedingungen und Eigenschaften der Repräsentationsgefässe soll noch ein weiteres Problemfeld skizziert und beleuchtet werden: das der Arbeit mit Ausschnitten von Videoarbeiten. Soll eine bestimmte Menge an Videoarbeiten auf einer DVD repräsentiert werden, so stellt sich die Frage nach der Kapazität des Medienträgers und der „Abbildungsqualität“. Die Kodierung und Kompression der Videoarbeiten als MPEG2-Files bringt bereits einen gewissen Qualitätsverlust – vor allem im Verhältnis zu analogen oder digitalen, unkomprimiert gespeicherten Videos – mit sich. Dieser Informationsverlust wird heute auf Grund der gängigen Präsentationstechniken (digitale oder digitalisierte Files ab DVD, Flashcard oder Harddisk) von den BetrachterInnen kaum mehr wahrgenommen, man hat sich an diese Bildqualität im Ausstellungsbetrieb gewöhnt und sie wird gerade im publizistischen Kontext nicht als störende Qualitätseinbusse bewertet. Trotz Kompression sind natürlich auch DVD’s Kapazitätsgrenzen gesetzt, die konzeptionelle Entscheidungen nach sich ziehen. Im Fall der DVD zur Monografie „we save what you give“ umfasst das Aus-gangsmaterial, d. h. alle Videoarbeiten aneinander gerechnet, über dreizehn Stunden, was bei vollständiger „Reproduktion“ und der Wahl von DVD-9 als Medienträger die Anzahl der benötigten DVD’s trotzdem auf über fünf Stück anwachsen liesse. Neben dem nicht unerheblichen finanziellen Mehraufwand, den die Produktion von mehreren DVD’s mit sich gebracht hätte, war es die Konzeption von Buch und DVD als einander ergänzende Repräsentationsgefässe, die klare Ablehnung einer DVD-Edition der Videoarbeiten von RELAX, welche zur „Kürzung“ der Videoarbeiten führte. Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass auch bei vergleichbaren Publikationen die Entscheidungsgrundlagen ähnlicher Natur sind und so einzelne Arbeiten in voller Länge oder Videoarbeiten in Ausschnitten auf den begleitenden DVD’s zu finden sind (14).
absatz 
Fällt nun die Entscheidung zu Gunsten der Vermittlung eines gesamten Werkkorpus oder einer grossen Anzahl von Videoarbeiten auf nur einer DVD, so schliesst sich die Frage nach der Auswahl der Ausschnitte aus den einzelnen Videos und deren Sichtbarmachung an. Interessanterweise hat bis jetzt keine der als Referenzprojekte herangezogenen Publikationen – wie auch die hier besprochene DVD – diese Fragestellung vorrangig behandelt, obschon die Wahl von signifikanten Sequenzen in jedem Fall im Vordergrund steht (15). Im Moment des „Nach-Editierens“ greift man in die Videoarbeit ein, setzt (subjektiv gewählte) Akzente und löst bestimmte Aussagen oder visuelle Momente aus ihrem zeitlichen Kontinuum; dies betrifft sowohl den Zusammenschnitt von mehreren zeitlich nicht aufeinander folgenden Sequenzen eines Videos als auch den Ausschnitt von zusammenhängenden Videominuten aus der ganzen Arbeit (16). Gerade im letzteren Fall wäre eine Kennzeichnung des Ausschnitts über die Angabe der ausgewählten Minuten im Verhältnis zur gesamten Dauer ohne weiteres möglich. Aber auch zusammengesetzte Sequenzen liessen sich über eine markierte Timeline oder einen mitlaufenden, auf die entsprechenden Minuten springenden Time Code gut visualisieren. Von der Möglichkeit, die einzelnen zusammengefügten Sequenzen mittels Schwarzbild zu trennen und ihre Diskontinuität sichtbar zu machen, wurde im vorliegenden Fall aus ästhetischen und konzeptionellen Gründen abgesehen: Die fallweisen Unterbrechungen wurden als störender bewertet als der Zusammenschnitt des Originalmaterials, als eine gewissermassen „retouchierte Abbildung“. Diese fehlende Dokumentation der Ausschnitte soll hier durchaus als Desiderat zahlreicher audiovisueller Buch-Erweiterungen zur Diskussion gestellt werden. Es sei allerdings angemerkt, dass das genaue Festhalten der gezeigten Minuten des gesamten Videos, aber vor allem die Konzeption, Gestaltung und Programmierung einer befriedigenden Umsetzung dieser Angaben wahrscheinlich in vielen Fällen die ohnehin knappen zeitlichen und finanziellen Ressourcen solcher Projekte noch stärker strapazieren würden. Ein ganz anders gearteter Grund für das Fehlen einer Sichtbarmachung der Videoausschnitte kann auch darin liegen, dass die HerausgeberInnen solcher Publikationen davon ausgehen, dass diese Beispiele als das gelesen werden, als was sie konzipiert wurden: als audiovisuelle Verweise, Repräsentationen, Referenzen.
absatz 
Als eine Art Fazit soll hier festgehalten werden, dass die stetige Reflexion der Vermittlung und Repräsentation von Medienkunst in Publikationskontexten in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle einnehmen wird. Auf der einen Seite ergibt sich daraus für die Kunst- und Medienwissenschaften ein facettenreiches Forschungsfeld, dessen Ergebnisse gerade auf Grund der Kongruenz von Untersuchungsgegenstand und Vermittlungsgefäss in einen direkten Kreislauf der Rezeption und Diskussion überführt werden können. Auf der anderen Seite scheint gerade zur Videokonservierung ein direkter Anschluss zu bestehen respektive lassen die Projekte und Bestrebungen in diesem Bereich hoffen, dass auch Publikationsprojekte von den Neuerungen auf dem Sektor der sorgfältigen, digital gestützten Videokonservierung profitieren werden. Die im Kontext dieses Teilprojekts von AktiveArchive herangezogenen Referenzbeispiele, aber auch das Teilprojekt selbst sind als Schritte in diese Richtung zu werten, als Versuche, dem Buch weitere Vermittlungsgefässe beizufügen, deren medialen und publizistischen Status zu überprüfen sowie die medial inhärenten Darstellungs- und Repräsentationskonventionen zu hinterfragen und in diesem Zusammenhang auch neue Modelle zu entwickeln.
unterteilung 
© Irene Müller, AktiveArchive 2006
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